Vorwort

Liebe Brüder und Schwestern aus unserer alten Heimat Kleinprobstdorf!kleinprobstdorf2

Ein Gedicht gehört eigentlich zum Bereich der Kultur einer Gemeinde. Weil aber der Inhalt dieses Gedichtes, Auszüge aus dem täglichen Leben, der Familie, der zwischenmenschlichen Beziehungen, sowie Fleiß, Redlichkeit und Landschaft samt Gottesgaben wiedergibt, habe ich es doch dem Bereich „Geschichten“ zugeordnet. 
Alle Mitbürger, die älter als 40 sind, werden sich noch an mich erinnern. Solltet Ihr euch mit einem Teil eurer Vergangenheit im Inhalt des Gedichtes wiederspiegelt finden, werdet Ihr euren jüngeren Angehörigen gewiss erzählen, wer ich bin, wo ich wohnte und mit welcher Freude und Geborgenheit wir alle so gerne, in unserem Dorf, in unserer Heimat, gelebt haben. Unser Birnbaum ist wahrlich der einzige Baum, von den vielen Obst- und Zierbäumen, die auf unseren Gassen standen, der die kommunistische Umweltverschmutzung überlebt hat. Er wurde 1897 von meinem Großvater, Schörwerth Martin, vor unser Haus gesetzt. Die Sehnsucht und die Erinnerung an unsere alte Heimat haben mich dazu bewogen, dieses Gedicht zu schreiben. Es soll den Dank der getätigten Mühe meiner Eltern für mich und meine Geschwister wiederspiegeln, das geborgene Kinderleben, die Freundschaft, den Fleiß und den natürlichen Reichtum, der uns umgab, sowie den Schmerz der oft durchgelebten Entbehrungen.

Meine Heimat

Ich weiß es noch als wär´ es gestern,
so klein wie ich doch damals war,
ein armes Haus mit vielen Brüdern,
viel´ Plag´ und Mühe um die Schar.

Mein Vater war wohl groß geboren,
Fleiß und Redlichkeit sein Ziel.
Für Kinder hat er sich verschworen,
Acht, die waren nicht zuviel.

Sieben Brüder und´ne Schwester,
wie in Stufen aufgereiht.
Zeiten gab´s, da hätte mancher,
durchgedreht, gesucht die Weit´.

Es bedarf sehr vieler Mühe,
vom Nichts zum Menschensein.
Gekannt Sie nie: die Ruhe,
unser trautes Mütterlein.

Herzlich gut, das war Sie immer,
voller Sorg´ und Sonnenschein.
Bei jedem Leid und Kummer,
Stütze, Hoffnung wollt´ Sie sein.

Geboren bin ich in dem Dorfe,
wo vorbei die Kokel fließt,
und in der Nähe einer Kirche,
wo ein großer Birnbaum sprießt.

Der Baum, der war sehr oft ein Segen
und Genuss für manche Zeit.
In den großen Sommergluten,
im Schatten sein ich oft verweilt.

Die Lage unser´s Vaterhofes,
die war recht schön platziert.
So, dass Ein und Aus des Dorfes,
weit hinaus konnt´ observiert.

Zu unserer linken Seite standen,
die Schule vorn, der Berg zurück.
Und zu unserer Rechten wohnten
wohlhabende Leut, zum Glück.

Unserem Birnbaum gegenüber,
wie es später sollte sein,
wohnt von mir der 8-te Bruder,
mit dem das Leben mich vereint.

Und gerad´ bei unserem Hause,
teilten sich die Gassen auf.
Die eine links vorbei der Kirche,
die andere rechts zum Friedhof aus.

Vor der Schule und dem Kirchturm,
also links vor unserem Haus,
alte Akazien blühten rundum,
eingezäunt mit Ein und Aus.

Unter diesen prächtigen Bäumen,
waren Bänk´ im Kreis gereiht.
Hier gab es viele Feierstunden,
mit Musik zur späten Zeit.

Ach wie schön manch´ Sommerabend,
wenn der Friede kam dazu
und die Stern´ am Himmel strahlend,
sank man aufgelöst in Ruh.

Wenn manch schöner Donnerregen,
den Fluss der Gasse füllte auf
und wir Kinder nachher spielten
in des Flusses warmem Lauf.

Vergessen sind auch nicht die Spiele,
wo die Gassentür ging auf.
Wenn sie sich dann wieder schließte,
warst Du drinnen oder drauß’.

Wenn die Dämmerung dann nahte,
sah man von der Burg ins Tal,
wie die Leut´ die Felder räumten,
die gepflegt zum ´zigten mal.

Und wenn der Hanf herangereift,
zur späten Zeit des Sommers,
machte sich das Plätschern breit,
in unserer warmen Kokel.

Immer schön war’s anzusehn,
wenn die Mädchen Hanfe wuschen,
weil im Schwingen und im Drehn,
die Hemden hoch und nieder rutschten.

Wer vergisst denn bloß die Zeit,
wo die Aprikosen reiften,
deren Gold von weit und breit,
klein und große Herzen freuten.

Und was für eine Pracht zu sehen,
an den Hängen unserer Berge,
Trauben die so perlenschön,
hochgereift im späten Herbste.

Ja, da bin ich wohl geboren,
in dem fernen schönen Land.
Müsst´ ich hin, es zu begrüßen,
gönnt´ ich keinem meine Hand.

Denn ein Kind hat eine Mutter,
ein Erwachsener oft ein Land.
Eine Heimat nicht ein jeder,
da ist´s wo die Wiege stand.

In das Dorf, wo ich geboren,
gehe ich nun nicht mehr hin,
weil bei denen, die´s bewohnen,
Baum und Blumen nicht mehr blüh’n.

Auch die Aprikosen sind verstorben,
und die Trauben noch dazu.
Nur der Birnbaum, der ist geblieben,
er find´ vor Sehnsucht keine Ruh.

von Mathi-Steffi

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