Wir sagen euch an, den lieben Advent. IMG_5133
Sehet, die dritte Kerze brennt!
Nun tragt eurer Güte hellen Schein
weit in die dunkle Welt hinein.
Freut euch, ihr Christen,
freuet euch sehr!
Schon ist nahe der Herr. (EG 17, 3)

Liebe Kleinprobstdorferinnen und Kleinprobstdorfer! 

Am heutigen 3. Advent grüße ich euch zum ersten Mal aus unserer neuen Heimat St. Pölten, der Landeshauptstadt Niederösterreichs. Wir wissen, Advent ist die Zeit der Vorbereitung und Besinnung. Das erkennen wir auch an der liturgischen Farbe – violett. Diese schöne Farbe der kirchlichen Paramente – Altar- und Kanzelbehänge – stellt uns das sichtbar vor Augen: Vorbereitung und Besinnung. Wie passen nun die Worte aus dem Lukasevangelium in diese besinnliche und stille Zeit hinein? 

In dem fünfzehnten Jahr des Kaisertums Kaisers Tiberius, da Pontius Pilatus Landpfleger in Judäa war und Herodes ein Vierfürst in Galiläa und sein Bruder Philippus ein Vierfürst in Ituräa und in der Gegend Trachonitis und Lysanias ein Vierfürst zu Abilene, da Hannas und Kaiphas Hohepriester waren: da geschah der Befehl Gottes zu Johannes, des Zacharias Sohn, in der Wüste. Und er kam in alle Gegend um den Jordan und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung Sünden, wie geschrieben steht in dem Buch der Reden Jesaja’s, des Propheten, der da sagt: „Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet den Weg des HERRN und macht seine Steige richtig! Alle Täler sollen voll werden, und alle Berge und Hügel erniedrigt werden; und was krumm ist, soll richtig werden, und was uneben ist, soll schlichter Weg werden. Und alles Fleisch wird den Heiland Gottes sehen.“ Da sprach er zu dem Volk, das hinausging, dass sich von ihm Taufen ließe: Ihr Otterngezüchte, wer hat denn euch gewiesen, dass ihr dem zukünftigen Zorn entrinnen werdet? Sehet zu, tut rechtschaffene Früchte der Buße und nehmt euch nicht vor, zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken. Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt; welcher Baum nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und in das Feuer geworfen. Und das Volk fragte ihn und sprach: Was sollen wir denn tun? Er antwortete aber und sprach zu ihnen: Wer zwei Röcke hat, der gebe dem, der keinen hat; und wer Speise hat, der tue auch also. Es kamen auch die Zöllner, dass sie sich taufen ließen, und sprachen zu ihm: Meister, was sollen denn wir tun? Er sprach zu ihnen: Fordert nicht mehr, denn gesetzt ist. Da fragten ihn auch die Kriegsleute und sprachen: Was sollen denn wir tun? Und er sprach zu ihnen: Tut niemand Gewalt noch Unrecht und lasst euch genügen an eurem Solde. (Lukas 3, 1-14)

Johannes der Täufer meldet sich am heutigen 3. Advent und ruft uns allen zu: „Sehet zu, tut rechtschaffene Früchte der Buße!“. Passen folgende Worte und Begriffe in die besinnliche Zeit des Advents? Buße, Umkehr und Vergebung der Sünden. Johannes ruft uns alle auf: „Tut Buße, kehrt um, ändert euch – das allein ist der Weg zum Leben!“. Dieser Ruf zu Buße, zur Umkehr und Sinnesänderung muss weltweit gehört werden, wenn wir überleben wollen. Natürlich wäre es falsch und auch viel zu einfach, nur die Blüten des Unkrauts abzureißen, wir müssen das Übel dieser Welt vielmehr an der Wurzel anpacken. Von Früchten redet Johannes: Ein guter Baum trägt gute Früchte. Kleine und nicht gesunde Früchte können ein Hinweis darauf sein, dass mit der Wurzel etwas nicht in Ordnung ist. „Jeder Baum, der nicht gute Früchte bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.“ Der Ruf zur Umkehr in unserer Zeit und Gesellschaft hängt auch mit der Frage zusammen, wie und wo wir alle im Einzelnen verwurzelt sind. Der spürbare Abbruch mit der christlichen Tradition und ein immer stärkeres Abweichen vom Wege des Glaubens könnten deutliche Anzeichen für eine notwendige Wurzelbehandlung bei der heutigen Generation sein. Johannes ruft in der Wüste: „Machet Bahn für Gott! Bereitet dem Herrn den Weg!“. Diesen Ruf richtet der Täufer am heutigen 3. Advent auch an uns alle. Die aufgetürmten Berge in unserem Leben, die den Blick für Gott versperren, die gilt es abzutragen. Wir haben alle unsere ganz persönlichen Barrieren, die dem Kommen des Herrn im Wege stehn, die unbedingt abgebaut werden müssen. Johannes spart auch nicht mit deutlichen Worten: „Ihr Otterngezüchte, wer hat denn euch gewiss gemacht, dass ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet?“. Wehe uns, wenn wir heute solche oder ähnliche Ausdrücke benützen würden. Aber andererseits: ob nicht manchmal ein deutlicher Satz Wirkung zeigen könnte? Ihr Lieben, Gott muss uns ja erreichen, wenn wir den Weg zum Leben finden sollen und wollen. Gott muss bei uns bis zu den Wurzeln vordringen, wenn gute Früchte des Glaubens reifen sollen. 

Wir stehen kurz vor Weihnachten! Wir werden jedes Jahr neu daran erinnert, dass Gott in Jesus Christus zu uns Menschen gekommen ist. Durch seine große Liebe werden wir fähig zur Umkehr, fähig zum neuen Leben. Die Hörer des Johannes haben wirklich nach Frucht ihres Glaubens gefragt: „Herr, was sollen wir tun?“. Die Antwort des Johannes ist sehr einfach aber auch ganz praktisch: „Lasst euch zunächst einmal genügen an dem, was ihr habt!“. Wie seltsam das doch klingt, angesichts des Kaufrausches der vorweihnachtlichen Wochen. Und die zweite Antwort des Johannes lautet: „Denkt daran zu teilen!“. Das müssen bestimmt nicht nur die vom Täufer erwähnten Hemden sein, sondern auch die Arbeit, die Löhne und das Vermögen müssen geteilt werden. Wir sollen Johannes nicht falsch verstehen: Moralpredigt allein schafft am heutigen 3. Advent noch keine Früchte des Glaubens! Seine Mahnung heißt: Räumt alle Hindernisse weg, macht den Weg frei, dass Gott euch erreichen kann, dass er an die Wurzeln des Bösen hinkommen kann. Dabei soll nicht die Axt das letzte Wort haben, sondern die Liebe, die zum Wachsen, zum Reifen und zum Leben befähigt. Früchte kommen dann fast von selbst. Darum beherzigen wir folgende Worte des Liederdichters Valentin Thilo:

„Bereitet doch fein tüchtig den Weg dem großen Gast;
macht seine Steige richtig, lasst alles, was er hasst;
macht alle Bahnen recht, die Täler rings erhöhet,
macht niedrig was hoch stehet, was krumm ist gleich und schlicht.“(EG 10, 2)

Damit wünsche ich euch allen noch ein paar besinnliche Tage im Advent, frohe und gesegnete Weihnachten, sowie Gottes Geleit durch das neue Jahr 2014!

Euer Gerhard Roth samt Familie
St. Pölten, 15.12.13

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