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„Ein ganz besonderer Tag in meinem Leben“ –
so hieß der Text, den Du geschrieben
und der mir stets im Gedächtnis geblieben.
Beeindruckend sind die Worte von Dir,
deshalb schrieb ich für Dich dieses Gedicht hier:

Im schönen Siebenbürgen geboren,
hast Du sehr früh Deine Heimat verloren.
Es war mehr als Deine Heimat, denn überdies
nanntest du Kleinprobstdorf „Mein Paradies“.
Du warst glücklich, Dir hat nichts gefehlt;
Kleinprobstdorf, das war Deine Welt.
Warum musstet ihr nach „Detschlaund“ gehen?
Das konntest Du damals nicht verstehen.
Deine Eltern suchten in „Detschlaund“ das Glück,
Deine Freunde und Dein Moşu blieben traurig zurück.
Ihr gingt damals in ein fremdes Land,
alles war andersartig und unbekannt.
Du wurdest aus Deinem Paradies gerissen
und in eine fremde Welt geschmissen.
Die Heimat hinter euch gelassen, fing dann
für Deine Familie in „Detschlaund“ ein neues Leben an.
Ihr fandet in „Detschlaund“ ein neues Zuhause
und dennoch fühltet ihr euch bloß
oft einfach nur alleine und heimatlos,
denn die Freunde aus Siebenbürgen und die Schmerzen
wegen des Heimatverlusts waren stets im Herzen.
Auch Du fühltest Dich manchmal einsam und allein,
dennoch konntest Du Deinen Eltern nicht böse sein.

Auch ihnen fehlt Kleinprobstdorf sehr,
der Abschied fiel ihnen unbeschreiblich schwer.
Du erinnerst Dich, dass sie damals bitterlich weinten.
Unter Tränen verließen sie die Heimat,
weil sie es mit Dir und Deiner Schwester gut meinten.
Du lerntest zu verstehen:

„Man soll immer nur nach vorne sehen.“
Dennoch blickst Du gerne in die Heimat zurück,
und irgendwann kam auch in „Detschlaund“ das Glück,
denn in dem Land, wo Du Dich einst fühltest verloren,
wurde Dein süßer Sohn geboren,
dem Du, wenn Du nicht bei ihm bist,
so sehr fehlst wie Du Kleinprobstdorf oft vermisst.
Er ist das, was für Dich zählt;
Dein Ein und Alles auf dieser Welt.
Man sollte seine Herkunft nicht verschweigen,
deshalb wolltest Du ihm Kleinprobstdorf zeigen,
und kehrtest mit ihm in die Heimat zurück,
wo ihr einen Moment erlebtet voller Glück.
Vor Jahren glaubtest Du es womöglich kaum,
doch dann erfülltest Du Dir einen Kindheitstraum:
Einen Berg, der jedem Kleinprobstdorfer bekannt,
und den jedermann „Hiu Rätsch“ genannt,
erklimmtest Du mit Deinem Sohn an Deiner Hand.
Du beschütztest ihn unentwegt,
dennoch war er sehr aufgeregt.
Doch in seinen Augen konntest Du schauen:
Er schenkte Dir unendliches Vertrauen.
Dir als Mutter gab das Kraft und tat gut,
beflügelte Dich und gab Dir neuen Mut.

So musstest Du nicht mit Dir ringen,
problemlos solltet ihr die „Hiu Rätsch“ bezwingen.
Wer der Natur gegenüber demütig ist und sie ehrt,
dem ist, wie euch, die Mühe des Aufstiegs wert.
Wer die Ruhe dort oben zu schätzen weiß,
der steigt hoch, wie ihr, mit Begeisterung und Fleiß.
Als ihr dann dem Gipfel beigewohnt,
wurdet ihr mit einer tollen Aussicht belohnt.
Die Stille und rundherum die Natur –
das sind Glücksmomente pur.

Zwar ist die Heimat heute weit,
doch kehren wir heim von Zeit zu Zeit,
um immer wieder schöne Momente zu erleben,
die uns Glück und Freude geben.
Wir bleiben der Heimat stets verbunden,
Tag für Tag und zu allen Stunden.

Autor: Uwe Schuller

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„Anders rauschen die Brunnen, anders rinnt hier die Zeit“ – immer noch!
Reiseeindrücke bei erster Heimkehr nach zwanzig Jahren


Am 5. Juli 2011 herrschte buntes Treiben an der Rothenburger Straße in Nürnberg: 44 Siebenbürger Sachsen, zum Großteil ehemalige Kleinprobstdorfer, hatten sich dort eingefunden, um pünktlich um 7.00 Uhr eine Reise in die alte Heimat anzutreten. Weil jedoch der Koffer einer Mitreisenden sich sträubte und nicht auf direktem Weg seinen Platz im Bus fand, sondern von unserem Treffpunkt erst zur Arbeitsstelle ihres „Privattaxifahrers“ Reißaus nahm, um nach einem Anruflabyrinth wieder zu den Wartenden zurückzukehren, verzögerte sich unsere Abfahrt. Dieser unvorhergesehene Vorfall sollte jedoch keineswegs zu einem schlechten Omen für die folgenden sieben Tage werden. Im Gegenteil – wir alle durften eine Zeit reich an Erlebnissen und Begegnungen mit Land und Leuten in den heimatlichen Gefilden genießen.

Nach dem ersten Abendessen in Budapest reichte die Kraft und Zeit noch für einen Spaziergang zur Fischerbastei, wohin wir bei allen Ampelüberquerungen mit unüberhörbaren Pfiffen von unserer „Schülerlotse“ Helmi Neubauer über die Straßen dirigiert wurden. Uli, einer unserer „Zugroasten“ übernahm am nächsten Morgen bei der Stadtrundfahrt die fachkundige Reiseleitung. Durch die Puszta vorbei an leuchtenden Mohnfeldern rückten wir gespannt der Heimat immer ein Stück näher. Seelisch wurden wir auf das Land jenseits der Wälder durch die stimmungsvollen Bilder von einer DVD über Siebenbürgen oder auch durch manch ein Lied, welches vor vielen Jahren zu festlichen Anlässen aus gemeinschaftlicher Kehle erklang, vorbereitet.

Die Grenze passierten wir bei Oradea, um dann die neue Autobahn zu erkunden. Die Westkarpaten streifend, behielten wir über weite Teile hinweg deren dunkle Wälder im Blickfeld, während unser Weg sich über die serpentinenreiche Strecke über den Feleac Richtung Klausenburg und Turda schlängelte. Die am Straßenrand weidenden Schafherden, die mit Heu voll beladenen Pferdegespanne und die Menschen, die in der Abenddämmerung vor dem Gassentürchen saßen, vermittelten uns zunehmend das Gefühl: Wir kommen heim. Die Baaßener „Hill“ bot uns einen Panoramablick auf das an unserem Heimatdorf nahe gelegene Mediasch, wo wir im Hotel „Edelweiß“ eine gemütliche Unterkunft und beste Verpflegung erhielten.

Tag 1 auf dem Heimatboden war abwechslungsreich gestaltet. Beim offiziellen Empfang im Kleinkopischer Bürgermeisteramt wurden unter anderem anhand einer Filmvorführung die Gegensätze von vor und nach der Wende gezeigt. Die Kontraste im Stadtbild und in der näheren Umgebung nahmen wir ohnehin auch mit freiem Auge wahr und freuten uns, dass frische Farben und bunte Blüten das ehemals allumfassende Schwarz verdrängt haben. Der Nachmittag war der ehemaligen europäischen Kulturhauptstadt Hermannstadt gewidmet. Im Bischofspalais gewährten uns die Herren Philippi und Gunesch einen Einblick in die nicht einfache Situation der Siebenbürger Landeskirche.
Bei sommerlichen Höchsttemperaturen wurde unsere Ausdauer während einer interessanten mit Humor gespickten Stadtführung auf die Probe gestellt. Die geschichtliche und architektonische Fortbildung sollte am Abend bei einer Führung durch den gut erhaltenen alten Stadtkern von Mediasch ihre Fortsetzung finden. Auch hier bündelten wir unseren letzten Rest an Aufmerksamkeit, für welche wir vom Stadtführer großes Lob ernteten.

Es folgte am Freitag ein Ausflug nach Schäßburg, auch das „siebenbürgische Rothenburg o.d. Tauber“ genannt. Für mich persönlich war an diesem Tag die siebenbürgische Atmosphäre äußerst intensiv zu spüren. Die Nebelschwaden über den Hügeln, das allmählich mild einfallende Sonnenlicht, in dem dann letztendlich die alten Dächer und Türme, die verwinkelten Gassen und verträumten Ecken Schäßburgs erstrahlten, die leisen Gitarrentöne, die zaghaft durch die spinnwebenbehangenen Bretterwände der Schülertreppe drangen und der sich dazugesellende volle Glockenklang der Bergkirche ließen in mir ein nostalgisches Gefühl von Vertrautheit und Geborgenheit aufkeimen, welches sich wie ein Schutzwall gegen alle aufgestaute Anonymität und Kälte ausbreitete. Gelassenheit und viel Zeit brachte Herr Hermann Baier mit. Wie ein Urgestein der Ruhe und Beständigkeit im bunten Treiben der Altstadt erteilte er uns Geschichtsunterricht über die Stadt, mit der ein großer Teil seines Lebens und Wirkens eng verbunden ist. Der Abstecher zum Mittagessen in der Gaststätte „Dracula“ auf der Dunnesdorfer „Hill“ stärkte unsere matten Glieder für die nachfolgende Führung auf der Birthälmer Burg. Uwe Schuller übernahm dieselbe und sorgte übrigens während der gesamten Fahrt immer wieder durch eigene Gedichtbeiträge für Abwechslung im Tagesablauf.

Für alle Reiseteilnehmer mag wohl der Samstag den Höhepunkt unserer Reise in die Vergangenheit dargestellt haben, erwartete uns doch an diesem Tag das Wiedersehen mit unserem Heimatdorf Kleinprobstdorf. Es hatte sich mit strahlendem Himmel gekleidet – die Sonne brannte bei 39 Grad Celsius bis tief in unsere Seelen hinein. Die Gefühle, welche dort drinnen bei manchem Achterbahn gefahren sein mögen, gerade bei denen, die nach 33 oder erstmals nach 20 Jahren an diesen Ort zurückkamen, bahnten sich spätestens während des Gottesdienstes oder der Andacht auf dem Friedhof, welche Pfarrer Gerhard Roth in altem Stil würdevoll gestaltete, ihren Weg an die Oberfläche. Unser „Duxi“, Bruno Roth, sorgte für die musikalische Begleitung im Gottesdienst und verlieh diesem einen umso festlicheren Rahmen. Bei zwei rumänischen Familien in Kleinprobstdorf erfuhren wir die großzügige Gastfreundschaft dieser Menschen, die sich unermüdlich um unser leibliches Wohl bemühten.

Alle Ehre machte der Sonntag seinem Namen. Er wurde ein Tag, an dem wir viel von dem Reichtum und der Unberührtheit der siebenbürgischen Natur in feierlichem Gewand wahrnehmen durften. Über Schäßburg , Reps und durch den Geisterwald nahmen wir Kurs auf Kronstadt. Kein Sterne – Menü hätte uns besser geschmeckt als das urige Picknick am Fuße der Zinnenstadt, bestehend aus frischem Hausbrot, Speck, Schafskäse und Zwiebeln. Über Fogarasch und Agnetheln fuhren wir unserem „Letzten Abendmahl“ in Mediasch entgegen, um uns am 12. Juli auf die Rückreise über Hermannstadt, Mühlbach und Arad zu begeben. Wir nahmen dieses Mal alle reellen Koffer mit, aber auch viele ideelle Koffer, bestückt mit bleibenden Erinnerungen, wertvollen Erfahrungen und tiefen Wahrnehmungen.

Auch wenn der geschichtliche und gesellschaftliche Wandel die Zeichen der Zeit verändert hat, so empfinde ich nach zwanzig Jahren Rückkehr in die Heimat, dass A. Meschendörfers Verse „Anders rauschen die Brunnen, anders rinnt hier die Zeit“ immer noch einen hohen Aktualitätswert in sich bergen. Dieser kommt zum Ausdruck in den ganz einfachen Dingen des alltäglichen Lebens: Sei es in der Unbeschwertheit der Kinder, die zu zweit barfuß in die Pedalen eines Fahrrades treten, in der Gelassenheit, mit der Jung und Alt auf dem Gras vor dem Haustor liegen oder in der paradiesischen Wildnis der abgelegenen Dörfer wie Radeln, wo Gänse in der brütenden Mittagshitze im Dorfbach dösen, oder auch in dem Freudenkonzert der Henne über ihr gelegtes Ei, sowie am zuverlässigen Weckruf des frühmorgendlichen Hahnenschreis in unmittelbarer Nähe des Hotels, auch wenn manche diesen anfangs als Handyton, den jemand vergessen hatte abzustellen, wähnten.

Dafür, dass wir in so kurzer Zeit so viel erleben durften, danke ich im Namen aller „Juliheimkehrer“ dem von Tatendrang und Idealismus erfüllten Organisator dieser Reise Hans Folea-Stamp.

Ein herzliches Dankeschön gilt auch unserem Fahrer Kurt Penteker, der sein Steuer mit sicherer Hand auf allen ebenen und unebenen Straßen lenkte. Ehrenamtlich standen ihm der selbstlose Co –Pilot Freddie und die Stewardessen Katharina und Melanie hilfsbereit zur Seite.

Maria Grigori
Waldkraiburg

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Vor über 20 Jahren ließen wir ein Stück
unseres Lebens in Siebenbürgen zurück.
Unterdrückung, Diskriminierung und Not
waren für uns ein ausreichendes Gebot,
in Scharen, Strömen und in Massen,
unsere Heimat zu verlassen.
Geliebte Menschen und Freunde aus Kindertagen
blieben traurig zurück mit vielen Fragen:
Wird man sich jemals wiederseh’n?
Vor allem Kinder konnten vieles nicht versteh’n.
Im Elternhaus, in Geborgenheit gewohnt,
wurden sie von den Ängsten und Nöten verschont.
Verständlich, dass auch sie Siebenbürgen vermissen,
wurden sie doch aus ihrem „Paradies“ gerissen.
Dass die Eltern die Heimat verließen und bitterlich weinten,
das taten sie, weil sie es gut mit uns meinten.
Eine sichere Zukunft wollten sie uns geben
und ein sorgenfreies und glückliches Leben.
Doch taten sie dies, wie man heute weiß,
zu einem ziemlich hohen Preis.
Ließen sie doch ein Stück vom Glück
hinter sich, in der Vergangenheit, zurück,
denn die Freunde aus Siebenbürgen leben heut‘
kreuz und quer in Deutschland verstreut.
Dennoch kann man nachvollzieh’n und versteh’n,
warum sie sich entschlossen, gen Westen zu geh’n:
Man war der Not und Unterdrückung überdrüssig,
man war sich sicher und es erschien schlüssig,
dass die Zukunftsaussichten im Westen
für uns Siebenbürger Sachsen sind am besten.
Beim Abschied haben wir uns vorgenommen,
niemals zu vergessen, woher wir kommen.
So trat dann auch ein, was wir uns schworen:
Wir haben uns niemals aus den Augen verloren.
Auch wenn viele Kilometer zwischen uns steh’n,
gibt es manchmal doch ein Wiederseh’n.
Nach unserer Auswanderung vor über 20 Jahren
sind wir heute wieder in die Heimat gefahren,
gemeinsam zu Besuch ins Siebenbürgerland,
wo einstmals die Wiege unserer Ahnen stand.
Über Felder, Wiesen und weite Fluren,
auf einstigen Pfaden und alten Spuren,
wollen wir wandern und uns erinnern an die Zeit
unserer Kleinprobstdorfer Vergangenheit,
gemeinsam vielleicht ein paar Lieder singen
und unvergessliche Stunden miteinander verbringen.
Den Verstorbenen wollen wir Aufmerksamkeit schenken,
und gemeinsam still ihrer gedenken.
Wir wollen auf den Friedhof geh’n
und zusammen bei ihren Gräbern steh’n.
Gemeinsam sind wir heute heimgekommen,
niemals haben wir für immer Abschied genommen.
Wir gingen einst unter Tränen und mit Schmerzen,
denn die Heimat bleibt immer in unseren Herzen.
Es ist immer wieder bewegend und schön,
Dich, mein Siebenbürgen, wiederzuseh’n.
Doch am schönsten ist es, nicht allein,
sondern mit euch in der Heimat zu sein.

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Danksagung an unseren Busfahrer Kurt Penteker

Ich denke, dass unserem Busfahrer Dank gebührt,
hat er uns doch immer ans Ziel geführt.
Ganz gleich, wohin wir eine Fahrt unternahmen,
war gewiss, dass wir wohlbehalten ankamen.
Man muss eingestehen und sagen:
„Der Kurt hatte in den letzten sieben Tagen
durchaus einiges zu ertragen,
dennoch hörte man ihn nie klagen.“
Zuweilen ein Gegacker, Herr erbarm‘,
wie auf einer Hühnerfarm!
Diese bisweilen lauten Hühnermassen
nahm unser Kurt offenbar gelassen.
Das Gegacker wie in einer Legebatterie
nervte ihn anscheinend nie.
Zu jedem Ziel und zu jeder Zeit
und auch trotz mancher Verkehrswidrigkeit
kamen wir heil und sicher an,
denn der Kurt ist ein Mann,
auf den man sich verlassen kann.
Von ganzem Herzen sagen wir:
„Lieber Kurt, wir danken Dir!“
Wer weiß, vielleicht werden wir in einigen Jahren
wieder gemeinsam in die Heimat fahren.


Es bedankt sich ganz herzlich die Reisegruppe der Siebenbürger Sachsen aus Kleinprobstdorf, mit der Du, lieber Kurt, vom 5. Juli 2011 bis 12. Juli 2011 in Siebenbürgen unterwegs warst.

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Danksagung an Hans Folea-Stamp

Es gibt unter uns einen Mann,
dem man nicht genug danken kann:

Lieber Hans,
mit Hingabe und Leidenschaft,
mit Motivation und Willenskraft
hast Du etwas Unvergessliches geschafft.
Auch Rückschläge nehmen Dir nicht
die Freude und die Zuversicht.
Du hast diese Reise geplant und organisiert
und sie mit uns anschließend durchgeführt.
Dank Dir sind wir seit über 20 Jahren
erstmals gemeinsam in die Heimat gefahren.
Dorthin, wo wir an so vielen Sommertagen
im Sand am Kokelufer lagen.
Dorthin, wo wir gespielt als Kind
und dorthin, wo unsere Wurzeln sind.

Dein Gemeinschaftssinn und Deine Heimatverbundenheit
und Dein Herzblut, das Du an den Tag legst jederzeit,
Dein Einsatz und all das, was Du für die Heimat tust,
man könnte meinen, dass Du niemals ruhst;
all das ist, ganz gleich mit wem man Dich vergleicht,
einzigartig und unerreicht.

Deshalb gebührt Dir jederzeit
unser aller Dankbarkeit.
Unser Dank gilt auch Deiner Familie,
die Dir zur Seite steht
und ohne die vieles gar nicht geht.
Wir sind es schuldig, nicht zu schweigen,
sondern Achtung und Anerkennung zu zeigen.
Abschließend möchte ich noch sagen:
„Wir sind froh und stolz, Dich zu haben!“

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Gemeinsame Reise in die alte Heimat

5. Juli 2011 – Fahrt von Nürnberg nach Budapest
Endlich ist es soweit: Die von unserem HOG-Vorsitzenden Hans Folea-Stamp organisierte Reise in die alte Heimat begann am frühen Morgen in Nürnberg mit einem modernen Reisebus der Reisegesellschaft „Schmetterling-Reisen“. 45 Personen aller Altersklassen (von 15 bis über 70 Jahren), überwiegend Kleinprobstdorfer/-innen, aber auch einige Freunde und Gäste, beispielsweise aus Wölz, hatten sich in Nürnberg eingefunden, um gut gelaunt und in freudiger Erwartung den Besuch unserer Heimat Siebenbürgen anzutreten.
Bereits vor der Abfahrt zeichnete sich ab, wie die Stimmung auf unserer Reise sein würde: Der Koffer von Luise Grigori-Roth, der im Auto geblieben war und von ihren Verwandten versehentlich wieder mitgenommen wurde, sorgte für eine verspätete Abfahrt und obendrein für viel Spaß und Heiterkeit unter den Reisegästen. Unsere heitere Stimmung und gute Laune wurde zusätzlich noch beflügelt, indem immer wieder irgendjemand von uns Witze oder Anekdoten am Mikrofon erzählte. Für Unterhaltung sorgten wir des Weiteren auch mit Gesang (Hanzi hatte eigens dafür einige Texte zusammengestellt), mit Gedichten und zur Einstimmung auf die Heimat gab es eine interessante Dokumentation zu sehen über die malerischen Dörfer und die stattlichen Kirchenburgen Siebenbürgens. Bei der Abfahrt waren wir noch nicht vollzählig, denn die in Österreich lebende Pfarrers-familie Roth stieß erst in der Nähe ihres Wohnortes zu unserer Reisegruppe.
Abends erreichten wir gegen 19 Uhr unser Hotel (Mercure Hotel) in Budapest. Dank Ulrich Thinat, einem unserer Reiseteilnehmer, konnten wir nach dem Abendessen Budapest in Abendstimmung erleben. Da er Budapest schon ungefähr 15 Mal besuchte, ist er ziemlich ortskundig und übernahm somit die Führung. Er führte uns zur Fischer-Bastei, welche einen grandiosen Ausblick auf das Stadtpanorama bot. Der Blick führte hinunter zur Donau und zu den vielen beeindruckenden Gebäuden, von denen das berühmte Parlaments-gebäude ganz besonders hervorsticht.

6. Juli 2011 – Fahrt von Budapest nach Mediasch (über Oradea)
Die Weiterfahrt von Budapest aus verlief über Oradea, Klausenburg, Thorenburg, Sankt Martin und Kleinblasendorf nach Mediasch. An diesem zweiten Reisetag war es im Bus wesentlich ruhiger als am ersten. Je näher wir der Heimat kamen, umso ruhiger wurde es. Es war eine außergewöhnliche Stille, welche wohl kaum ausschließlich auf der Müdigkeit beruht. Sie begründet sich eher dadurch, dass viele von uns in sich gingen, andächtig wurden und mit Blick auf die heimatliche Landschaft in alten Erinnerungen schwelgten. Wir erreichten gegen 19 Uhr planmäßig unser Hotel Edelweiß in Mediasch in der Nähe der ehemaligen Wurstfabrik „Salconserv“ in der Straße, die Richtung Pretai führt.
Das Hotel sorgte bereits von außen für einen erfreulichen Eindruck und sieht mit seinem gelben Anstrich und den vielen roten Geranien auf den Balkonen sehr einladend aus. Als wir das Innere des Hotels betrachteten, bestätigte sich unser positives Empfinden. Nach dem Abendessen unternahmen wir noch einen kleinen Spaziergang durch Mediasch und fielen nachher, vornehmlich aufgrund der langen Reise, erschöpft ins Bett.

7. Juli 2011 – Empfang in Kleinkopisch / Stadtbesichtigung Hermannstadt
Am frühen Morgen begaben wir uns auf den Weg nach Kleinkopisch (Copşa Mică), wo Bürgermeister Daniel Tudor Mihalache bereits auf uns wartete. Nach der Begrüßung besichtigten wir alle drei Kleinkopischer Kirchen. Danach fuhren wir zum Rathaus, welches sich in dem Gebäude befindet, wo früher das Krankenhaus untergebracht war. Dort wurden wir freundschaftlich empfangen und mit Getränken bedient. Der Empfang im Rathaus wurde abgerundet mit einem Filmbeitrag über die erfreuliche Entwicklung der Stadt Kleinkopisch.
Am frühen Nachmittag fuhren wir dann über Marktschelken, Reussen (mit seinem schiefen Turm) und Stolzenburg (mit seiner mächtigen Burgruine) nach Hermannstadt. Dort nahmen uns im Bischofspalais hohe Vertreter der Landeskirche freundlich und spontan in Empfang und hielten anschließend einen interessanten Vortrag über die Maßnahmen zur Instandhaltung/Instandsetzung der siebenbürgisch-sächsischen Kirchenburgen. Um 15 Uhr begann unsere Stadtbesichtigung unter der Führung eines charmanten rumänischen Studenten, der nicht nur die deutsche Sprache nahezu perfekt beherrschte, sondern auch fachlich überaus kompetent war.
Danach blieb noch Zeit zur freien Gestaltung. Viele machten es sich in einem der zahlreichen Biergärten oder Cafés gemütlich, manche bummelten durch die Läden oder nutzten die Zeit, um einige der vielen Sehenswürdigkeiten zu bestaunen, beispielsweise um einen Überblick über die Stadt vom Ratturm zu genießen. In einer kleinen Ansprache im Bus während der Hinfahrt sagte ich: „Hoffen mer, dot aser Herrgott en Sox äs uch es unständich Wädder git!“ Der Herr scheint diese Worte erhört zu haben, denn gleich an diesem ersten Tag, den wir von morgens bis abends in der alten Heimat verbrachten, schenkte uns der Himmel herrliches Sommerwetter mit schier 40 °C. Dieses sonnige und heiße Wetter blieb uns für die gesamte Dauer unserer Reise erhalten. Es scheint also da oben tatsächlich „en Sox“ (ein Sachse) zu sitzen.

8. Juli 2011 – Besichtigungen: Schäßburg, Birthälm (Kirchenburg), Mediasch
An diesem Tag war unsere Gruppe kleiner als sonst, weil einige sich – was absolut verständlich und nachvollziehbar ist – „abgesetzt“ hatten, um diesen Tag ihren Heimat-dörfern wie etwa Wölz, Frauendorf, Wurmloch, Scharosch oder Eibesdorf zu widmen. Für alle anderen ging es von Mediasch über Pretai, Scharosch und Dunesdorf nach Schäßburg. Wir besichtigten die Altstadt samt Bergfriedhof und Bergkirche unter der Führung des charismatischen Professors i.R. Hermann Baier, welcher nicht nur über ein enormes Wissen verfügt, sondern zudem auch sehr unterhaltsam war, indem er zwischendurch einige Witze zum Besten gab, die bei uns herzhaftes Lachen bewirkten.
Nach der Führung bestiegen einige von uns noch den berühmten Stundenturm, andere wiederum stöberten angeregt in den zahlreichen Souvenirläden, wohingegen auch einige es ganz ruhig angehen ließen, sich ein kühles Glas Bier oder ein Eis genehmigten. Bei einer Hitze von beinahe 40 Grad sind derlei Abkühlungen stets Willkommen. Nach dem Mittagessen im Restaurant „Dracula“ in Dunesdorf fuhren wir am Nachmittag nach Birthälm, um dort eine der imposantesten und besterhaltenen Kirchenburgen in Siebenbürgen zu besichtigen.
Schon aus der Ferne, noch bevor man in das stattliche Dorf einfährt, grüßt einen die Kirchenburg, auf einem Hügel inmitten des Dorfes thronend, umgeben von drei Ringmauern (Beringen) und acht Türmen. Da ich acht Jahre in Birthälm gelebt habe und die Kirchenburg sehr gur kenne, wurde mir die große Ehre zuteil, die Führung im Außenbereich übernehmen zu dürfen, um unserer stets interessierten und neugierigen Reisegruppe dieses monumentale Bauwerk näherzubringen. Für die Führung im Kircheninneren war eine junge Frau vorgesehen. Als ich sie in der Kirche begrüßte und auf ihr Namensschild sah, traute ich meinen Augen nicht: Mit dieser bezaubernden jungen Frau habe ich in Birthälm vier Jahre lang gemeinsam „die Schulbank gedrückt“! Es war für mich ein sehr angenehmes und erfreuliches Wiedersehen. Ich hätte nicht gedacht, dass von denjenigen, mit denen ich einst in Birthälm zur Schule ging, noch irgendjemand im Dorf wohnt!
Nach dem Abendessen in unserem Hotel stand noch eine abendliche Führung durch Mediasch auf dem Programm. Dabei wurde natürlich auch auf die Margarethenkirche ausführlich eingegangen. Mich hat schon seit langem insbesondere der sogenannte Trompeter- oder Tramiterturm in seinen Bann gezogen. Bereits tagsüber ist er ein echter Blickfang mit seinem schlanken Rumpf, der Turmuhr, dem Anstrich in einem warmen Gelbton und den vier Türmchen, die an den Ecken der Dachkonstruktion angebracht sind, um die Gerichtsbarkeit zu symbolisieren. Die Tatsache, dass er eine Neigung aufweist, verleiht ihm zusätzlich eine außergewöhnliche Note. Besonders wenn er nach Anbruch der Dunkelheit beleuchtet wird, sieht er einfach erhaben aus und trägt maßgeblich zu dem romantischen und harmonischen Stadtbild in der Innenstadt bei. Dieser Turm gilt nicht umsonst als das Wahrzeichen Mediaschs!

9. Juli 2011 – Heimkehr nach Kleinprobstdorf
Dieser Tag ist sicherlich nicht nur für mich, sondern für die meisten Reiseteilnehmer der Höhepunkt unserer Reise, denn diesen Tag widmeten wir voll und ganz Kleinprobstdorf, unserem geliebten und unvergessenen Heimatdorf. Da die Straße, die von Kleinkopisch nach Kleinprobstdorf führt, bekanntermaßen ziemlich eng ist, gestaltete sich das Rechtsabbiegen in Richtung Kleinprobstdorf anfangs etwas schwierig: Unser Reisebus musste noch einmal zurücksetzen, weil ein Zaunpfahl im Weg stand, welcher dafür gesorgt hatte, dass Kleinprobstdorf sich mit einigen Schrammen und Kratzern im Blech des hinteren Ausstiegs sozusagen „verewigte“. Überdies mussten wir bei der Überquerung der Gleise vorsichtig sein: Es sah nämlich zunächst danach aus, als ob der Bus auf den Gleisen aufsetzen würde. Hierbei hatte sich Michael Roth als guter Lotse erwiesen: Er stieg aus, kniete sich auf den Boden und beobachtete, ob wir den Gleiskörper mit dem Unterboden berühren. Langsam und vorsichtig bewegte sich der Bus währenddessen vorwärts, sodass wir die Gleise schließlich schadlos hinter uns lassen konnten. Als ich sah, wie Michael sich hinkniete, dachte ich ernsthaft, er wollte die Heimaterde küssen. Es stellte sich später heraus, dass ich nicht der einzige war, der diese Vermutung hatte.
Wir fuhren weiter bis zur Kokelbrücke, wo wir allesamt ausstiegen, um zu Fuß ins Dorf zu gehen. Der Bus fuhr ebenfalls ins Dorf und parkte dann vor dem Kindergarten. Einem Naturfreund wie mir geht wahrhaftig das Herz auf, wenn ich sehe, wie die Vegetation und die Natur sich fortwährend erholen. Die einstmals nahezu kahlen Hügel sind von dichtem Baumwuchs und Sträuchern bedeckt und es grünt überall, wohin das Auge sieht.Als wir den Hof der Kirchenburg betraten, waren wir wohlig überrascht und staunten, als wir gewahr wurden, wie zahlreich die Weinreben mit Trauben behangen sind. Ebenso üppig ausgestattet sind auch die Himbeersträucher, welche entlang der beinahe gesamten Ringmauer hinter der Kirche in die Höhe ragen. Viele von uns konnten dem nicht widerstehen und so stürzten wir uns auf die süßen roten Beeren, noch bevor der Küster uns dazu einlud. Ich muss ganz ehrlich gestehen: Ich habe bislang noch nie dermaßen schmackhafte Himbeeren gegessen! Die Weintrauben und die Himbeeren sind erfreulicherweise keine Ausnahme. Auch bei den Erdbeeren ist abzusehen, dass reichlich köstliche Früchte gedeihen werden und darüber hinaus entwickelt sich auch das Gemüse (z.B. Gurken, Zwiebeln) prächtig.
Bei all diesem erfreulichen sichtbaren Wandel in der Natur darf man das Unsichtbare nicht vergessen: Die Kontamination, welche die Fabriken aus Kleinkopisch verursacht haben, ist so gravierend, dass sie etwa 3-5 Meter in den Boden hineinreicht. Es wird dement-sprechend noch Jahrzehnte dauern, bis die Umwelt vollständig entgiftet ist. Während einige von uns sich an den Himbeeren „vergriffen“, waren Hanzi, die Pfarrers-familie Roth und einige andere eifrig dabei, den Gottesdienst vorzubereiten. Die meisten verbrachten die Wartezeit im Burghof, während einige, wie etwa Gerhard „Buti“ Guttner, Helmut „Helmi“ Neubauer und auch ich diese Zeit nutzten, um den Turm zu besteigen. Einerseits stieg ich wegen der atemberaubenden Aussicht über das Dorf hoch, andererseits wollte ich nochmals den Ort wiedersehen, zu dem mich mein geliebter Opa einmal mitnahm, als er mit dem Glockenläuten an der Reihe war.
Nachdem wir den Turm wieder verlassen hatten, erklimmten kurz danach jene Männer die oberste Turmebene, welche die Glocken läuteten (u.a. Martin Schörwerth und Liţă Stan). Derweil stellten wir uns geordnet vor dem Kircheneingang auf, um die Kirche, so wie früher, während des Glockenläutens, zu betreten. Allein schon der Klang der Glocken bescherte einem Gänsehaut. Es waren für uns alle überwältigende und unbeschreibliche Momente, als wir erstmals seit mehr als 20 Jahren gemeinsam mit so vielen Freunden, Verwandten, Landsleuten und Mitbürgern aus Kleinprobstdorf die Kirche betraten; Die Kirche, in der viele von uns getauft oder konfirmiert wurden. Die Kirche, in der viele von uns in ihrer Kindheit mit strahlenden Augen unter dem großen Weihnachtsbaum standen und die Kirche, vor deren Altar sich viele von uns einstmals da Ja-Wort gaben.
Kurz bevor der eigentliche Gottesdienst begann, hatte Hans (Folea) noch eine kleine Ansprache zur Begrüßung gehalten. Er war nicht nur sichtlich berührt, er war obendrein so aufgewühlt, dass ihm die Stimme beinahe versagte. Er entschuldigte sich dafür, was jedoch gar nicht nötig gewesen wäre; Es ist begrüßenswert, wenn jemand Gefühle zeigt, zudem haben wir alle dieses Empfinden mit Hans geteilt, zumal die meisten ohnehin genauso tief bewegt und ergriffen waren wie er. Viele, so auch ich, zeigten offen ihre Gefühle und hatten Tränen in den Augen. Mit Bedauern mussten wir feststellen, dass in der Kleinprobstdorfer Kirche keine Orgel mehr ansässig ist. Diese traurige Tatsache sollte uns allerdings nicht daran hindern, einen Gottesdienst zu zelebrieren, wie man ihn sich schöner kaum vorstellen kann. Für die musikalischen Einlagen war unser Bruno „Dux“ Roth zuständig. Gekonnt und sicher unterstützte und begleitete er unseren Gesang.
Schließlich wurde auch das Heilige Abendmahl verabreicht, wobei unser Pfarrer Gerhard Roth von Luise Grigori-Roth eifrig unterstützt wurde. Viele hatten während des Gottesdienstes immer wieder Tränen in den Augen und auch die Stimme von Pfarrer Roth war manchmal zittrig, weil diese besonderen Momente natürlich auch ihn nicht unberührt ließen. Dieser außergewöhnliche Gottesdienst ging uns offensichtlich allen sehr nahe und er wird bis ans Ende unserer Tage in unserer Erinnerung lebendig bleiben. Nach dem Auszug aus der Kirche gingen wir geschlossen zum Friedhof, wo wir uns am zentral gelegenen Grab von Pfarrer Andreas Guttner einfanden. Die Sonne brannte unentwegt, während wir der zu Herzen gehenden Andacht von Pfarrer Roth beiwohnten. Hansi Folea-Stamp legte einen Kranz nieder im Namen der HOG und im Namen aller Kleinprobstdorferinnen und Kleinprobstdorfer. Der Kranz wurde geschmückt von Bändern in den siebenbürgisch-sächsischen Farben rot und blau.
Den Sonnenschein und den heiteren wolkenlosen Himmel sehe ich als Gruß; Es war ein Lächeln unserer Brüder und Schwestern, unserer Eltern, Großeltern und Urgroßeltern, welche auf dem Kleinprobstdorfer Friedhof ihre letzte Ruhe gefunden haben. Sie haben mit diesem Lächeln ihre Freude und ihr Wohlwollen darüber ausgedrückt, dass wir an sie gedacht und sie besucht haben.
Nach der Andacht ging jeder an das Grab/die Gräber seiner Verwandten und legte die Blumen nieder, welche wir am Morgen dieses Tages auf dem Markt in Mediasch gekauft hatten. Ich hätte es als brüderliche Geste empfunden, wenn wir alle Geld zusammengelegt hätten, dafür rote Rosen gekauft hätten und auf ausnahmslos jedes Grab jeweils eine Rose gelegt hätten. Man darf nämlich nicht vergessen, dass es viele ältere Kleinprobstdorfer/-innen in Deutschland gibt, die womöglich nie mehr die Gelegenheit haben, selbst Blumen auf die Gräber ihrer Liebsten zu legen.
Nach dem Friedhofsbesuch unternahmen wir einen Spaziergang durch das Dorf mit Besichtigung der Schule, des Pfarrhauses und der Fleischerei, welche sich in dem Gebäude befindet, wo einst die „Alimentar“ untergebracht war.
Anschließend machten wir uns auf den Weg zum Haus Nr. 14, (welches ehemals der Familie Elischer gehörte) wo unsere Gastgeber bereits auf uns warteten. Ursprünglich war geplant, ins „Hewes“ zu gehen. Aus Zeitgründen und auch weil es für die älteren Leute wahrscheinlich zu anstrengend gewesen wäre, diesen weiten Weg bei der großen Hitze zu bewältigen, wurde umgeplant, sodass wir uns auf besagtem Elischer-Hof einfanden.
Man kann sagen, dass unsere Gastgeber uns auf Händen getragen haben. Wir haben eine Gastfreundlichkeit und eine Herzlichkeit erfahren, die einfach überwältigend war. Die Mühe, die diese Leute sich gemacht haben und der Aufwand, den sie betrieben haben, verdienen unsere Anerkennung.
Unter den Weinstöcken hatten sie mehrere Tafeln aufgebaut und gedeckt, sodass ausreichend Sitzplätze vorhanden waren. Unermüdlich waren sie unterwegs, um uns zu bewirten und zu beköstigen mit „mici“ und „grătar“ sowie natürlich auch mit kühlem „Ursus“-Bier und Wein. Auch auf die Umstellung des Wetters wurde unverzüglich reagiert: Die Weinstöcke, unter denen wir saßen, wurden prompt seitlich mit Planen verhangen, um die extreme Sonneneinstrahlung zu verringern. Als es etwas später vorübergehend anfing zu regnen, wurde wieder sofort gehandelt: Über uns wurde eine Konstruktion aus Planen und Kanthölzern aufgebaut, damit wir nicht nass wurden.
Es war ein sehr angeregter Nachmittag mit frohgelauntem Beisammensein und natürlich auch mit Spaziergängen durch das Dorf. Die „junge Garde“ unternahm eine Tour an die Kokel zum „Baraj“. Als wir die Tore erreicht hatten, erklärten vorwiegend Helmut „Helmi“ Neubauer und ich den Jüngeren, zu welchem Zweck der „Baraj“ überhaupt erbaut wurde, vorzugsweise jedoch ließen wir sie an unseren Erinnerungen teilhaben: Wir berichteten davon, welch reges Getümmel und Gewimmel an den Sommertagen in und an der Kokel herrschte. Wir erzählten, dass die Mutigen von ganz oben vom Tor sprangen und dass es dabei zu einigen Unfällen kam. Wir erwähnten auch, dass mitunter die Tore hochgezogen wurden und dass die Fluten dabei so einiges mitrissen.
Nachdem wir wieder auf den Hof unserer Gastgeber zurückgekehrt waren und noch einige Stunden in froher und heiterer Runde verbracht hatten, endete dieser unvergessliche und einzigartige Tag viel zu schnell; Um sieben Uhr ging es zurück nach Mediasch ins Hotel. Nur einige wenige, der „harte Kern“, blieb noch fast bis Mitternacht in unserem kleinen idyllischen Heimatdorf.

10. Juli 2011 – Kronstadt / Burzenland-Rundfahrt
An diesem Morgen begaben wir uns auf die Burzenland-Rundfahrt: Unsere Strecke verlief zunächst über Pretai, Scharosch, Dunesdorf, Schäßburg, Weißkirch, Keisd und Bodendorf. Dann verließen wir vorübergehend unsere Route, um auf einer „Schotterpiste“ in das etwas abseits gelegene Radeln zu gelangen, wo wir dem von Peter Maffay errichteten sogenannten „Schutzraum“ einen Besuch abstatteten. Bei dem „Schutzraum“ handelt es sich um einen Zufluchts- und Therapieort für Kinder, welche Gewalt und Misshandlung ausgesetzt waren. Das Projekt in Radeln ist bereits Maffays Zweites dieser Art, eine ähnliche Einrichtung hat er bereits auf Mallorca erschaffen.
Von Radeln kehrten wir wieder auf unsere Route zurück, um über Schweischer, Reps, den Geisterwald, Nussbach, Rothbach und Marienburg nach Kronstadt zu gelangen. Dort besichtigten wir das Zentrum mit dem Rathaus und der berühmten Schwarzen Kirche. Am Stadtrand von Kronstadt fanden wir eine schöne Wiese, wo wir uns für ein Picknick „ţărănesc“ niederließen. Es war eine „Jause“ wie in früheren Siebenbürger Zeiten, denn es gab Speck („Bauflisch“), Zwiebeln, Fett (Schmalz), Schafskäse und selbstgebackenes Brot. Diese typisch siebenbürgisch-sächsischen Lebensmittel überreichte uns am Morgen Hans Tuth („Vere“) in Dunesdorf. Außerdem hatten wir auch Wein dabei, um die Trockenheit im Hals bereits im Ansatz zu bekämpfen. Speisen und Wein schmeckten einfach vorzüglich, genauso wie früher! Anschließend fuhren wir über Weidenbach, Zeiden und Schirkanyen nach Fogarasch, wo wir einen Zwischenhalt einlegten und die Burg Fogarasch besichtigten.
Über mehrere Dörfer mit interessanten und imposanten Kirchenburgen (Kleinschenk, Großschenk, Mergeln und Schönberg) fuhren wir weiter Richtung Agnetheln. In der Nähe von Agnetheln packten wir auf einem prächtigen grünen Plätzchen inmitten der Natur un-seren „Biertisch“ aus, welcher uns bereits beim Picknick gute Dienste geleistet hatte, und ließen es uns bei Kaffee und „Strätzel“ gutgehen. Über Bürgesch, Magarei und Meschen gelangten wir schließlich am Abend nach Mediasch.
An diesem Tag waren wir auch noch zwei „Angriffen“ ausgesetzt: Kurze Zeit nachdem wir uns nach einer unserer Pausen wieder in Fahrt gesetzt hatten, machte Kurt, unserer Busfahrer, eine Durchsage: Er bat uns darum, unsere Schuhe zu überprüfen, denn irgendjemand sei offenbar einer „Tretmine“ zum Opfer gefallen. Es würde sich ein fürchterlicher Gestank im Bus verbreiten. Kurz darauf stellte sich heraus, wer der „Glückspilz“ war: Ausgerechnet unser Reiseleiter, unser Hans Folea-Stamp, hatte einem Haufen „die Augen ausgetreten“! An einer Tankstelle hielten wir an, um die Stinkbombe zu beseitigen. Es war ein urkomisches Bild, wie Hans da stand, den betreffenden Schuh ausgezogen und in der Hand haltend, während er gemeinsam mit einem Tankstellen-mitarbeiter und einem Wasserschlauch den festgetretenen „Glücksbringer“ an der Schuhsohle bekämpfte und schließlich besiegte.
Möge dieses Ereignis unserem Hanzi Glück bringen, so wie es der Volksmund besagt. Für die Mitreisenden war es jedenfalls eine höchst erheiternde und amüsante Gegebenheit, an die man sich stets gerne erinnern wird. Nachdem Hans nun diesem „Bodenangriff“ ausgesetzt war, musste ich in einer der nächs-ten Pausen einen „Luftangriff“ über mich ergehen lassen: Während ich an einem Tisch unter einem Baum saß und genüsslich mein Mittagessen zu mir nahm, entlud sich ein Vogel von oben direkt auf meine Hose (auf den Oberschenkel)! Ich hatte Glück im Unglück, dass er nur die Hose traf. Es hätte nicht viel gefehlt, damit sein Haufen entweder auf meinem Kopf oder auf meinem Teller landete. Von wegen „Alles Gute von oben“!

11. Juli 2011 – Fahrt von Mediasch nach Budapest (über Deva und Arad)
Die Rückfahrt traten wir, im Gegensatz zur Hinfahrt, auf einer anderen Route an: Über Hermannstadt, Mühlbach, Deva und Arad fuhren wir nach Nădlac, wo wir die Grenze über-querten. In Mühlbach legten wir einen Zwischenhalt ein, um die dortige Kirche zu besichtigen. Besonders auffallend und imponierend: Der majestätische Altar, einer der größten in Siebenbürgen. Die Durchfahrt durch Mühlbach und durch den Unterwald wusste Luise Grigori-Roth gekonnt kurzweilig zu gestalten, weil sie uns am Mikrofon mit vielen interessanten Informationen bezüglich dieser Region versorgte.
Gegen 19 Uhr erreichten wir, genau wie im Zeitplan vorgesehen, die ungarische Donau-metropole, wo wir wieder in demselben Hotel (Mercure Hotel) übernachteten wie vor sechs Tagen.
Wie schon während der Hinfahrt war Uli erneut unser Reiseführer in Ungarns Hauptstadt. Vom nahegelegenen Südbahnhof fuhren wir einige Stationen, unter der Donau hinweg, auf die andere Donauseite. Hier unternahmen wir einen Spaziergang entlang des Ufers mit Blick auf die Fischer-Bastei und auf jene Donauseite, von wo aus wir eine Woche vorher die wunderschöne Stadt bestaunten. Wir gingen bis zum Parlamentsgebäude, konnten uns diesem jedoch nur bis auf etwa 50 Meter nähern, weil dieses in seiner Funktion als Regierungsgebäude abgesperrt und mit Wachposten versehen ist.

12. Juli 2011 – Fahrt von Budapest nach Nürnberg
Wehmut und Traurigkeit machte sich an unserem letzten gemeinsamen Tag im Bus breit. Dies ist damit begründet, weil sich einerseits diese unvergessliche Woche nun allmählich ihrem Ende zuneigte und weil andererseits unsere großartige, stets lustige und gut gelaunte Reisegruppe sich in wenigen Stunden wieder kreuz und quer in ganz Deutschland verteilen würde, angefangen vom Süden (z.B. Nürnberg, München, Schwabach, Bamberg, Esslingen, Heilbronn), über den Westen (z.B. Wuppertal, Gummersbach), den Osten (z.B. Halle) bis hin in den Norden (z.B. Salzgitter).
Als erstes jedoch mussten wir uns von der Pfarrersfamilie verabschieden, weil diese bereits in Österreich ausstieg.
Bevor es allerdings so weit war und Abschiedsstimmung aufkam, wurde dem immer wieder entgegengesteuert, etwa durch Witze oder sonstige lustige, teils aus dem wahren Leben gegriffene Beiträge und Anekdoten. Viele empfanden tiefe Dankbarkeit für die Erlebnisse und die Eindrücke, die man während dieser traumhaften Woche gewonnen hatte und die unsere Erinnerung fortan um einen großen Schatz bereichern. Allmählich und erfreulicherweise trauten sich auch immer mehr Leute nach vorne ans Mikrofon, um ihren Dank in unterschiedlicher Darbietungsform auszudrücken. Ich persönlich fand das Dankeslied der entzückenden Töchter von Martin Schörwerth richtig süß, welches die beiden spontan geschrieben und am Mikrofon auf die Melodie von dem bekannten „Danke für diesen guten Morgen“ gesungen hatten. Diese liebenswürdige Darbietung hatte bei mir sogar für feuchte Augen gesorgt!
Etwa um 19 Uhr erreichten wir das ETAP-Hotel, wo ein Teil der Gruppe ausstieg. Kurze Zeit später verließen am Bahnhof die restlichen Reiseteilnehmer den Reisebus. Somit gehört unsere gemeinsame Reise in die Heimat fortan der Vergangenheit an und bleibt für immer in unser aller Erinnerung wach und lebendig.

Ich möchte allen Mitgliedern unserer Reisegruppe meine tief empfundene Dankbarkeit aussprechen. Die Gemeinschaft, also ihr alle, habt es überhaupt erst ermöglicht, dass diese Reise zu einem derart unvergleichlichen und unvergess-lichen Erlebnis wurde.
Insbesondere gilt es all denjenigen zu danken und jene hervorzuheben, die durch ihren Einsatz, ihre Beiträge und ihr Dazutun besonders zum Gelingen unserer Reise beigetragen haben, selbst dann, wenn es nur kleine Beiträge waren. Auch die sind wichtig und notwendig und tragen zum großen Ganzen bei.
Es gebührte diesen Personen, sie an dieser Stelle allesamt beim Namen zu nennen. Ich bitte um Verständnis dafür, dass ich davon absehe. Es handelt sich nämlich hierbei um ein Schreiben, welches für jedermann einsehbar ist. Aus Rücksicht verzichte ich darauf, die Namen der betreffenden Personen zu nennen, weil ich nicht weiß, ob all jene Personen damit einverstanden wären, wenn ihre Namen der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht würden.
Ein ganz großes Dankeschön geht auch an unseren zuvorkommenden und humorvollen Busfahrer Kurt Penteker aus Jaad (im Nösnerland), der uns stets sicher und wohlbehalten an jedes Ziel brachte und der zudem gemeinsam mit seinen „Assistenten“ Melanie, Katharina, Annemarie und Freddy auch dafür sorgte, dass unterwegs kein Magen leer und keine Kehle trocken blieb. Die Reisegruppe hatte ihn im Laufe unserer Reise so liebgewonnen, dass ihm am letzten Reisetag die Ehrenbürgerschaft von Kleinprobstdorf verliehen wurde, sodass er fortan zu unseren Kleinprobstdorfer Treffen herzlich eingeladen ist. Zu unserer Freude nahm er die Einladung dankend an und möchte ihr auch gerne folgen.
Das größte Dankeschön gilt unserem HOG-Vorsitzenden Hans Folea-Stamp. Ihm haben wir es zu verdanken, dass diese gemeinsame Reise in die Heimat überhaupt erst möglich wurde. Mit seinem unermüdlichen Einsatz, seiner schier grenzenlosen Leidenschaft und seinen Anstrengungen, die ihm offenbar nie zu groß sind, hat er diese Reise geplant und organisiert. Was er für die Gemeinschaft und die Heimat leistet, ist unermesslich und unerreicht. Wir müssten ihn dafür auf Händen tragen! Nicht vergessen werden darf seine Familie, seine Töchter und insbesondere seine Gattin, die ihm stets zur Seite steht und sein Rückhalt ist. Ohne einen solchen Rückhalt wäre es nicht möglich, derartige Anstrengungen zu bewältigen.

Ich möchte noch – und das ist mir sehr wichtig – unseren älteren Reiseteinehmer/-innen meinen Respekt und meine Achtung aussprechen. Jeder weiß, dass eine derart lange Reise ab einem gewissen Alter durchaus strapaziös ist und auch Risiken für die betreffenden Personen birgt. Dass dennoch so viele ältere Landsleute an der Reise teilgenommen haben, ist nicht nur höchst erfreulich, sondern verdient auch höchste Anerkennung.
Mein Respekt und meine Anerkennung gelten auch gleichermaßen den jüngsten Mitgliedern unserer Reisegruppe. Wir hatten einige junge Menschen dabei, die noch nie unsere Heimat gesehen hatten, ja noch nicht einmal in Siebenbürgen geboren sind. Es erfüllt mich mit Freude und ich bin stolz auf diese jungen Menschen, weil sie so viel Interesse, Neugier und Begeisterung für unsere alte Heimat gezeigt haben.

Ich möchte abschließend nochmals an alle das schönste und wichtigste Wort des deutschen Wortschatzes richten: „DANKE!“

Uwe Schuller, Gummersbach, im Juli 2011

Die Tretmine

Nach einer Pause, einem Zwischenhalt,
hatte Kurt, der Busfahrer, alsbald
nachdem wir wieder die Fahrt aufgenommen
einen strengen Geruch in die Nase bekommen.
Er hatte uns deshalb gebeten,
nachzuschauen, wer einen festgetreten.
Er meinte, es verbreite sich durch die Bank
im Bus ein furchtbarer Gestank.
Es war offensichtlich und klar,
dass jemand „Tretminen-Opfer“ geworden war.
Alle hatten ihre Schuhe kontrolliert
und fast alle sodann auch triumphiert,
nur einer sah mit überraschter Miene
die an seinem Schuh haftende „Tretmine“.
Es stellte sich sogleich heraus:
Ausgerechnet Hans, unser „Chef im Haus“,
trat einem Haufen „die Augen“ aus!
Wir hielten an der nächsten Tankstelle,
zwecks Entfernung der üblen Geruchsquelle.
Gleich nachdem wir angehalten,
ließ Hans, der „Glückspilz“, Taten walten:
Mit einem Wasserschlauch hat er entschlossen
die Schuhsohle ordentlich begossen,
sodass das Wasser ins Profil sich wühlte
und die „Stinkbombe“ von dannen spülte.
Was nehmen wir von diesem Ereignis mit?
Wenn jemand auf einen „Glücksbringer“ tritt,
ist es besonders amüsant und heiter,
wenn es erwischt den Reiseleiter!


Liebe Landsleute,

liebe Freunde,

unsere gemeinsame Reise in die Heimat gemäß dem Motto „Lass dir die Fremde zur Heimat – aber die Heimat nie zur Fremde werden“ gehört nun der Vergangenheit an. Was uns bleibt, sind die wunderschönen Erinnerungen daran. Damit diese Erinnerungen niemals verblassen und insbesondere auch damit all jene Freunde und Landsleute, die aus unterschiedlichen Gründen nicht mitfahren konnten, unsere Reise auch miterleben können, habe ich auf Bitten des HOG-Vorsitzenden Hans Folea-Stamp einen Reisebericht verfasst.

Ich habe es von Herzen gerne getan und es war mir eine große Ehre, dass ich dazu beauftragt wurde, unsere Reise schriftlich festzuhalten und wiederzugeben. Das Schreiben hat mir einen Riesenspaß bereitet und ich hoffe, dass ihr alle einen eben so großen Spaß und Freude empfindet, wenn ihr unsere Reise in die Heimat aufgrund meines Berichtes nachvollzieht beziehungsweise nachempfindet.

Ich habe den unvergesslichen Tag in Kleinprobstdorf am ausführlichsten behandelt, weil dieser Tag für die meisten von uns den Höhepunkt unserer Reise darstellt und weil er so ereignis- und erlebnisreich war, dass es über diesen Tag dementsprechend am meisten zu berichten gibt.

Insgesamt betrachtet war es mir sehr wichtig, einen Reisebericht zu verfassen, in dem sich sozusagen alle Reiseteilnehmer wiederfinden beziehungsweise mit dem sich alle aus unserer Reisegruppe identifizieren können.

Ich habe dennoch auch einige persönliche Eindrücke und Empfindungen in den Bericht einfließen lassen, habe aber großen Wert darauf gelegt, dies in einem begrenzten Rahmen zu halten, damit es nicht Überhand nimmt, denn ich möchte, dass dies nicht allein mein Reisebericht, sondern unser Reisebericht ist.

Wie es sich für einen unterhaltsamen Bericht gehört, habe ich natürlich auch humoristische Aspekte und Anekdoten eingebracht, beispielsweise „Die Sache mit dem Koffer“ oder „Hanzis unliebsame Begegnung mit der Tretmine“.

Für meine Ansprache im Reisebus an unserem letzten Reisetag habe ich ausschließlich angenehme und positive Resonanz erfahren. Peter „Pitz“ Grigori sagte sogar zu mir, es wäre schade, dass niemand diese Ansprache aufgezeichnet hätte. Für diesen positiven Zuspruch und die vielen Komplimente möchte ich mich an dieser Stelle nochmals ganz herzlich bedanken.

All das führte mich zu der Überlegung, diese Ansprache zu rekonstruieren und für eine Veröffentlichung niederzuschreiben. Aufgrund dessen, was ich noch im Gedächtnis habe und aufgrund meiner Stichworte, die ich mir damals notiert hatte, wäre es kein Problem gewesen, die Ansprache vollständig „zu Papier zu bringen“.

Ich habe allerdings von dieser Idee wieder Abstand genommen und habe stattdessen all das, was ich in der Ansprache sagte, in meinem Reisebericht (an verschiedenen Stellen) untergebracht.

Es sind insgesamt knapp sieben Seiten geworden. Ich hoffe, dass das nicht zu lang ist. Es ist ja leider so, dass vor allem viele junge Menschen von einer Art „Lesefaulheit“ oder „Leseträgheit“ befallen sind und folglich bei langen Texten allein schon aufgrund der Länge abgeschreckt werden und gar nicht erst beginnen, den Text zu lesen. Ich persönlich finde das sehr bedauerlich und schade und hoffe, dass die Länge meines Reiseberichtes niemanden abschreckt.

Ich möchte allen Freunden und Landsleuten, die an der Reise nicht teilgenommen haben, eine möglichst nahe, lebendige und intensive Teilhabe an unserer wunderschönen Reise gewähren. Auch deshalb habe ich ziemlich ausführlich berichtet.

Außerdem wollte ich auch gerne alles möglichst genau niederschreiben, denn wir alle wissen, wie das mit dem ist, was man nicht aufschreibt: Vieles davon gerät oftmals mit der Zeit leider in Vergessenheit.

Ich wünsche Euch allen viel Spaß beim Lesen sowie viele schöne Erinnerungen und für all diejenigen, die nicht dabei waren, hoffe ich zudem, dass sie aufgrund meines Reiseberichtes ein möglichst umfassendes Bild von unserer Reise bekommen und unsere Erlebnisse, Empfindungen, Ereignisse, Stimmungen, Eindrücke und Unternehmungen möglichst intensiv nachvollziehen können.


Herzliche Grüße an alle Landsleute und Kleinprobstdorfer Freunde

Uwe Schuller, 24. Juli 2011

Kleinprobstdorfer reisen in die alte Heimat

Unter dem Motto „Lass dir die Fremde zur Heimat – aber die Heimat nie zur Fremde werden“, fand eine achttägige Busreise der HOG – Kleinprobstdorf in die alte Heimat statt. Am frühen Morgen des 5. Juli 2011 fanden sich dazu zahlreiche Kleinprobstdorfer aller Altersklassen, sowie einige Gäste und Freunde frohgelaunt in Nürnberg ein. Nach einer kurzen Verzögerung wegen eines „verschollenen“ Koffers, konnte es dann nach dessen Auffinden, mit einem Reisebus der „Schmetterling Reisen“, erwartungsfroh losgehen. Mit munteren Beiträgen der Reisenden, Gesang und guter Laune wurde pünktlich gegen Abend das erste Etappenziel Budapest erreicht.
Mit Hilfe eines kundigen Teilnehmers konnte die wunderschöne Donaumetropole von der „Fischerbastei“ aus bei einsetzender Dunkelheit bestaunt werden. Ebenso lustig ging es am nächsten Morgen über Oradea und Klausenburg weiter Richtung Mediasch. Der vertrauten Landschaft näher kommend, wurde es im Bus zusehends stiller. Neben Weinigen die öfters in Rumänien sind, waren viele seit Jahrzehnten nicht mehr in der alten Heimat, einige Junge sogar das erste Mal. Nach Zeitplan wurde schließlich in einem Mediascher Hotel eingecheckt. Der Aufenthalt in diesem Hotel war vom ersten Abend an sehr angenehm und hatte einen überaus freundlichen und familiären Charakter.
In den nächsten Tagen wurden bei herrlichem Sommerwetter Kleinkopisch, mit freundlichem Empfang des Bürgermeisters, Hermannstadt mit ebenfalls freundlichem und spontanem Empfang von hohen Vertretern der Landeskirche im Bischofpalais, Mediasch mit einer Abendführung, Birthälm und Schäßburg mit einer unvergesslichen, lehrreichen und auch witzigen Altstadtführung durch Professor i.R. Hermann Baier, besucht. Am Samstag den 9.07.11 folgte dann der von vielen mit Sehnen erwartete Höhepunkt „Kleinprobstdorf“. Morgens ging es zuerst zum Mediascher Markt zwecks Blumenkaufs für den Friedhof und anschließend mit viel Herzklopfen in Richtung Heimatdorf.
Da der große Reisebus (noch) nicht über die Kokelbrücke durfte, setzte sich der Tross ab diesem Punkt mit Gepäck und Blumen, zu Fuß durchs Dorf zur Kirche. Es war ein erhabenes Bild, gleich einem lang ersehnten Gruß an die Heimat.
Drei privat angereiste Kleinprobstdorfer Landsleute fanden sich ebenfalls ein und nach einer kurzen Verschnaufpause folgte ein zu Herzen gehender Gottesdienst mit Heiligem Abendmahl, abgehalten von Gerhard Roth, heute Pfarrer in Schwanenstadt/Österreich. Unterstützt wurde er in hervorragender Art durch Lektorin Luise Grigori-Roth. Anschließend begab man sich zum sehr gepflegten Friedhof, wo bei „unbarmherzig knallender“ Sonne noch eine ebenso ergreifende Andacht folgte, nach der sich jeder zu „seinen“ Gräbern begab. Nach Rundgängen durchs Dorf, mit der auf EU-Standard renovierten Schule, der ebenfalls beeindruckenden Fleischerei und dem leider verfallenden Pfarrhaus, fand man sich auf einem privaten Grundstück ein, auf welchem bei reichlich Speis und Trank – von netten Gastgebern serviert, ein unvergesslicher – da unvergleichlicher Tag allmählich zu Ende ging, für manche bis in die späten Abendstunden….
Eine Burzenlandrundfahrt mit Hinfahrt über Schäßburg, einem herrlichen Picknick am Kronstädter Stadtrand und der Rückfahrt über Fogarasch mit malerischen Dörfern, rundete diese Siebenbürgen – Erlebnisreise am Sonntag ab. Am frühen Montagmorgen hieß es dann schon mit Wehmut Abschied von der alten Heimat nehmen, da es über Hermannstadt, mit kleinem Abstecher nach Mühlbach mit Kirchenbesichtigung, diesmal über Arad zur letzten Übernachtung erneut nach Budapest ging. Nach dem Abendessen fanden nur noch wenige Muße für einen kleinen Stadtbummel, die meisten fielen „todmüde“ ins Bett. Am Tag der Heimreise war im Bus eine Atmosphäre der Nostalgie, etwas Müdigkeit, jedoch auch tief empfundene und bekundete Dankbarkeit für dieses einmalige Erlebnis. Nachdem Gerhard Roth mit Familie in Österreich verabschiedet wurde, kam der Bus am Dienstag den 12.07.2011 pünktlich gegen 19:00 Uhr in Nürnberg an.

Für diese unvergesslichen Tage gilt es von Herzen „danke“ zu sagen: Allen Teilnehmern, die zum guten Gelingen beigetragen haben, den freiwilligen Helferinnen und Helfern im Bus und in Kleinprobstdorf, die in selbstloser Weise mit Rat und Tat zur Seite gestanden haben. Herzlichen Dank auch an Pfarrer Gerhard Roth und an Luise Grigori-Roth für die tägliche geistliche Betreuung und den Gottesdienst in Kleinprobstdorf. Ein ganz besondere Dank geht an den stets freundlichen und hilfsbereiten Busfahrer Kurt Penteker – ebenfalls ein Siebenbürger und vor allem an den Organisator der Reise, unseren HOG – Vorsitzenden Hans Folea – Stamp und seine Gattin, ohne deren aufopferungsvolle Vorarbeit, diese Reise nie hätte stattfinden können.

Im Namen der Teilnehmer

Bruno Roth, Schwabach den 21.07.2011


Nach mehr als 20 Jahren wieder gemeinsam in der Heimat

Nürnberg – Erstmals seit der Auswanderung vor mehr als 20 Jahren besuchten viele Kleinprobstdorfer/-innen gemeinsam als Gruppe ihr Heimatdorf.

Der Vorsitzende der HOG Kleinprobstdorf, Johann Folea-Stamp, organisierte eine vom 5. bis zum 12. Juli währende Reise in die Heimat. 45 Landsleute, überwiegend Kleinprobstdorfer aller Altersklassen, folgten der Einladung und fuhren mit einem Reisebus der „Schmetterling-Reisen“ nach Siebenbürgen.

Nach ihrer Ankunft wurden die „Heimkehrer“ am nächsten Morgen in Kleinkopisch von Bürgermeister Daniel-Tudor Mihalache begrüßt und anschließend im Rathaus empfangen. Am Nachmittag ging es nach Hermannstadt zum Empfang von Offiziellen der Landeskirche im Bischofspalais, wo man Interessantes über die Instandhaltung/Instandsetzung der Kirchenburgen erfuhr. Im Anschluss daran erfolgte ein Stadtrundgang mit Führung. Rundgänge mit Führung standen auch am nächsten Tag auf dem Programm: Zunächst in Schäßburg, in unnachahmlicher Weise durch Altprofessor Hermann Baier und gegen Abend schließlich in der Kirchenburg in Birthälm.

Der Höhepunkt der Reise war für die meisten der Tag in Kleinprobstdorf. Pfarrer Gerhard Roth läutete mit einem bewegenden Gottesdienst und einer darauf folgenden ergreifenden Andacht auf dem Friedhof diesen überwältigenden Tag ein. Nach einem Spaziergang durchs Dorf mit einem Besuch der Schule fand man sich zum gemütlichen und lustigen Beisammensitzen bei Speise und Trank auf einem Hof ein, der einstmals einer siebenbürgisch- sächsischen Familie gehörte.

Mit einer Rundreise durch Kronstadt und durch das Burzenland am nächsten Tag wurde dieser einwöchige Heimatbesuch abgerundet.

Die Heimat erstmals nach der Auswanderung vor mehr als 20 Jahren gemeinsam mit so vielen Freunden, ehemaligen Mitbewohnern und Lands-leuten wiederzusehen war für die „Heimkehrer“ ein ganz besonderes, unvergessliches und bewegendes Erlebnis. Es ist in Worten kaum zu beschreiben.



Uwe Schuller, Gummersbach den 19.07.2011


Bei der Heimfahrt schnappten sich, unter vielen anderen, auch die beiden Töchter von Martin Schörwerth, Melanie und Kathi spontan das Busmikrofon und sangen ein sehr schönes, selbstgedichtetes Liedchen, das sehr zu Herzen ging und an dieser Stelle nochmals veröffentlicht wird: 


Danke (nach der Melodie „Danke für diesen guten Morgen“) 

Danke für diese schöne Reise, danke, wir danken euch dafür, 
Danke,o Hans wir wolln dir danken, dass es so schön war! 
Danke, an unsere alte Heimat, danke an die Erinnerung. 
Danke, oh Herr wir wolln dir danken für die schöne Zeit!
Danke an all die Netten Menschen, danke an unseren Papa: 
Danke, dass du uns auf diese Reise mitgenommen hast!
Danke, an unsern lieben Kurti, danke, für diese sichere Fahrt, 
Danke, dass du uns begleitet hast an jedem Tag! 

(Melanie, ihr Mann Sven und Kathi waren zum ersten mal in Rumänien…)

 
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