Zum Ende des Gedenkjahres 

Mit dem Gedicht „Wo ruhen sie“ von Ottmar Strasser, erschienen in „Kirche und Heimat“, schließen wir das Gedenkjahr ab.

Wo ruhen sie?

Wo ruhen sie nach langem Darben?
Die in Rußlands Lager starben
Und in fremder Erde liegen,
Weil Stacheldraht nicht leicht zu biegen.

Die schuldlos man zu Tod gequält,
Erbarmungslos verhungern ließ,
Wo ruhen sie in dieser Welt?
Die kalt sie ins Verderben stieß.

In Schnee und Eis sind sie begraben.
Zerhackt von Kräh’n, Sibiriens Raben.
Doch wo? Das kann heut niemand sagen
den Weinenden, die um sie klagen!

Es gibt kein Kreuz, kein Sühnemal,
Kein Mahnmal für erlittene Qual.
Man muss mit Nachrufworten sparen,
Weil diese Toten Deutsche waren.

Den Jugendlichen, Frauen und Männern die an den Folgen der Deportation verstorben sind.

der Deutschen Bevölkerung aus Rumänien, zu Zwangsarbeit in die Sowjetunion

Aus Kleinprobstdorf wurden an 2 Tagen etwa 76 Personen ausgehoben davon überlebten sechs Personen die Deportationszeit nicht.

Laut Dr. Michael Kroner (Historiker) überreichten die Sowjets der rumänischen Regierung am 31. Oktober 1944 eine Note mit der Forderung alle Deutschen zu registrieren. Aufgrund dieser Listen erfolgte im Januar 1945 die Aushebung der arbeitsfähigen deutschen Frauen im Alter von 18 bis 30 Jahren und der Männer von 17 bis 45 Jahren, zu Zwangsarbeit in die Sowjetunion. Die Gesamtzahl der Deportierten beträgt rund 75 000. Die Zahl der Siebenbürger Sachsen beträgt unter Forschung von Prof. Dr. Georg Weber (Soziologe) und Renate Weber, 30 376 (46,4 % Männer und 53,4 % Frauen). Bei mehr als 10 Prozent der Verschleppten wurde die Altersgrenze jedoch missachtet (die ältesten waren 55 und die jüngsten 13 Jahre alt). Bei der Aushebung nahm man keine Rücksicht auf zurückbleibende Kinder, auch wenn diese dann elternlos blieben. Dank der vorhandenen Solidarität wurden die elternlos Zurückgebliebenen bei deutschen Familien untergebracht oder der eigenen Verwandtschaft. Frauen wurden nur dann von der Aushebung ausgenommen wenn sie Kinder unter einem Jahr hatten, oder schwanger waren. 
Was in den rumänien-deutschen Dörfern und Städten zurückblieb waren Kinder sowie Frauen über 30 und Männer über 45 Jahren. In Viehwagons, in die man jeweils 40 bis 70 Männer und Frauen zusammenpferchte, dauerte die Fahrt der Deportierten bei eisiger Kälte, primitivsten hygienischen Verhältnissen und notdürftiger Versorgung bis zu den Bestimmungsorten im Donez- und Dongebiet in der Ukraine zwei bis drei, bis in den Ural sechs Wochen. Die Verschleppten wurden zu Arbeiten im Bergbau, im Bauwesen, in der Industrie, Land- und Waldwirtschaft oder in der Lagerverwaltung zugeteilt. Infolge schwerer Arbeit, Kälte, schlechter medizinischer Betreuung, dürftiger Ernährung und Unfällen gab es viele Kranke und Tote. Etwa 15 Prozent aller Deportierten haben die Deportationszeit nicht überlebt. 
Der amerikanische Völkerrechtler und Historiker Alfred de Zayas weist in mehreren seiner Arbeiten darauf hin, dass die Bedingungen, unter denen die verschleppten Deutschen aus Süd- und Osteuropa in der Sowjetunion arbeiteten, „sich nicht von der Sklavenarbeit in den Arbeitslagern Nazideutschlands unterschieden“. 
In Kleinprobstdorf gingen ab 15. bis 17. Januar 1945 gemischt rumänisch-sowjetische Patrouillen von Haus zu Haus, um nach den erstellten Listen auszuheben. Für solche, die sich versteckt hatten, wurden ersatzweise Familienangehörige oder andere Personen gefasst, so dass die meisten sich stellten. In diesen Tagen der Aushebung wurde eine Ausgangssperre für die deutsche Bevölkerung erteilt. Die Frauen und Männer wurden mit wenig Hab und Gut ins Gemeindehaus getrieben und in der Mittagszeit, unter Tränen, begleitet mit dem Läuten der Kirchenglocken, setzte sich die Kolonne unter bewaffneter Aufsicht (mitunter auch durch Anwendung von Gewalt) in Marsch. Die Deportation erfolgte über Kleinkopisch, Langenthal nach Blasendorf/Blaj. Am 18. Januar kamen sie in Blasendorf/Blaj an und wurden dann in Viehwagons aufgeteilt Richtung Sowjetunion. 
Aus Kleinprobstdorf wurden an 2 Tagen etwa 76 Personen ausgehoben davon überlebten sechs Personen die Deportationszeit nicht. 
Die Verschleppung der Sachsen und Schwaben in die Sowjetunion beruhte auf keiner vertraglichen Abmachung der Alliierten mit Rumänien und war ein ausgesprochener sowjetischer Gewaltakt, der gegen das Kriegs- und Völkerrecht verstieß. Alfred de Zayas weist auch darauf hin, dass der Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess und mehrere Nachfolgeprozesse wiederholt die Deportation von Zivilbevölkerung zu Zwangsarbeit als ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit geahndet haben. 

Inhalte aus „Die Deutschen Rumäniens im 20. Jahrhundert“ von Michael Kroner/ 

„Flucht – Deportation – Enteignung – Entrechtung“ von Michael Kroner/Horst Göbel 

Oft wollt ich schon verzagen, 
und ich dacht ich trüg es nie. 
Und ich hab es doch getragen 
aber fragt mich nur nicht wie. 

Die Taten sind schon lange verziehen, obwohl keiner darum gebeten hat, vergessen aber können und dürfen wir sie nicht! Den Jugendlichen, Frauen und Männern die an den Folgen der Deportation verstorben sind. 

Johann Folea-Stamp 
Im Namen der Heimatortsgemeinschaft Kleinprobstdorf 

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Erinnerung an die Zeit der Russlanddeportation im Januar 1945

Ich erlebte die Zeit der Verschleppung im 10 km entfernten Mediasch bei meiner Tante, wo ich als 15-jähriges Mädchen im Herbst 1944 hinkam, um auf meine 11 Monate alte Cousine aufzupassen und als Halbwaise gleichzeitig noch so manches im Haushalt zu lernen. Auch in Mediasch mussten sich, wie in allen deutschsprachigen Ortschaften, ohne große Erklärung am 12., 13. und 14. Januar 1945 alle deutschen Männer im Alter von 16 und 45 Jahren, sowie alle Frauen im Alter von 17 und 32 Jahren, unverzüglich in der Stefan Ludwig Roth – Schule einfinden. Ausgenommen waren Kranke, Schwangere und Mütter von bis zu einjährigen Kindern, also zum Glück auch meine Tante. Ihr Ehemann musste sich vorerst in der Schule melden, kam jedoch dank des Einsatzes der Lederfabrik, wo er als einziger eine Gerbermaschine bedienen konnte, frei. 

In den darauf folgenden Tagen gingen so genannte Kommissionen bestehend aus russischen und rumänischen Offiziellen von Haus zu Haus, um nach eventuellen nicht Registrierten oder Versteckten zu suchen. Auch ich stand natürlich auf keiner Registrierungsliste, da ich ja nicht in Kleinprobstdorf war. Es wurde mir vorerst jedoch geglaubt, dass ich erst 15 Jahre alt sei und somit für die Deportation sowieso nicht in Frage käme. Wir versuchten, trotz der verständlichen Aufregung die uns in dieser Zeit alle umschloß, den Alltag einigermaßen zu begehen und so ging ich in den nächsten Tagen wie so oft, durch die Hinterhoftür zur nahe gelegenen Kokel um Waschwasser zu holen. 
Als ich die Tür öffnete, ging im selben Moment auf der gegenüberliegenden Seite die Gassentüre auf, durch die drei Männer eintraten, die als letzte Schergen die Häuser durchkämmten um den Schlusstransport nach Russland zu füllen. Dazu war ihnen wahrscheinlich jeder und jede herzlich willkommen. Sie sahen mich und dachten ich wolle weglaufen, hielten mich trotz meiner leeren Wassereimer auf und glaubten mir diesmal nicht dass ich erst 15 Jahre alt war. Ich stand, wie schon erwähnt, auch nicht auf ihrer Liste und hatte zu meinem großen Unglück auch keinerlei Ausweispapiere oder so was ähnliches dabei. Meiner Tante blieb nichts anderes übrig als mir ein paar Notdürftigkeiten und Lebensmittel zusammenzupacken, um den Männern alsdann zu folgen. Sie brachten mich auch in besagte Schule, wo ich mit vielen anderen, für diesen letzten Transport Zusammengetriebenen, 2 Tage und 2 Nächte ausharren musste. Ich kann es meinem Onkel nie vergessen, dass er sich trotz absoluter Ausgangssperre für alle Deutschen, klammheimlich und zu Fuß über die Bahngleise nach Kleinprobstdorf aufmachte, um zu versuchen irgendeinen Ausweis für mich zu organisieren. Es wurde lediglich mein Konfirmandenschein gefunden, welcher sich jedoch für mich im wahrsten Sinne als „Freiheitsschein“ entpuppte und von den Behörden akzeptiert wurde, so dass ich doch nicht nach Russland musste. Als sich die Lage in den nächsten Tagen beruhigte, „brannte“ ich danach, wieder nach Kleinprobstdorf zu kommen, um zu sehen was dort los war. Was meine gewonnene Freiheit bedeutete, wurde mir dann schmerzlich klar: Dort fand ich nämlich meine zwei Jahre jüngere Schwester traurig und allein daheim. Unseren Vater hatten sie verschleppt und Mutter hatten wir seit acht Jahren sowieso keine mehr. Von unseren Großeltern lebte auch nur noch eine Großmutter mütterlicherseits, die dann jeden Abend bei uns schlief. Sie erzählte uns dass eine unserer drei Tanten, trotz drei unmündiger Kinder und im Krieg vermisstem Ehemann, auch mit nach Russland musste. 
Eine weitere Tante die auch drei kleinere Kinder hatte, konnte sich ihrerseits erfolgreich vor den Schergen verstecken und zusammen mit ihr und der Großmutter schafften wir es dann mit vereinten Kräften uns über die Runden zu halten. Dies „über die Runden kommen“ wurde jedoch nach all dem Leid, auch noch durch anschließende vollkommene Enteignung, von der wir zwei Schwestern als nunmehr Vollwaisen eigentlich hätten verschont bleiben müssen, erheblich erschwert. 
Dazu wurden in unser großes Haus schon zu Kriegszeiten zwei Flüchtlingsfamilien aus der Moldau, die dann allmählich wegzogen und nun auch noch als größeres „Übel“, eine Familie so genannter „Kollonisten“ mit 6 Kindern zwangseinquartiert. Wir mussten uns auf unserem (ehemals) eigenen Hof in ein Zimmer zurückziehen und möglichst unauffällig und still unsern Alttag begehen. Dafür tobten und wohnten nun Fremde um so lauter in unseren besten Stuben. So ähnlich erging es fast allen sächsischen Familien in unserem Dorf und anderswo. 
Ich erfuhr nun auch die Schreckensbilder die sich in unserem Dorf abgespielt hatten, wo der ganze Treck der Deportierten unter Glockengeläut, Tränen und Kindergeschrei, von bewaffneten Männern bewacht, die übrig gebliebene Familie, Kinder, Haus und Hof in eine ungewisse Zukunft verlassen musste. In Mediasch hatte ich davon nicht so viel mitbekommen. 
Und das alles…………………nur weil wir Deutsche waren! 
Dieser klare Verstoß gegen das Völkerrecht und die Genfer Konventionen, diese schreiende Ungerechtigkeit Stalins und vor allem der damaligen rumänischen Regierung sowie auch großen (aber nicht allen) Teilen der rumänischen Bevölkerung, war ein bitterer Racheakt an der deutschen, unschuldigen Zivilbevölkerung Rumäniens und reiht sich somit als weiteres dunkles Kapitel in die unsäglichen Gräueltaten des zweiten Weltkrieges ein. 

Ich möchte zum Schluss noch ein paar persönliche Gedankengänge aus heutiger Sicht, nach vielen Erfahrungen und Aufklärungen, hiermit feststellen: Trotz allem erfahrenen Leid, menschlich nur allzu verständlichem Groll und Bitterkeit gegenüber denen die uns damals dies alles angetan haben, dürfen wir nicht weiter verdrängen oder verschweigen, sondern unmissverständlich klarstellen, wer eigentlich der Verursacher des zweiten Weltkrieges mit all seinen schmutzigen, mörderischen, menschenverachtenden, in keinster Weise zu rechtfertigenden Zielen und schließlich mit all seinen Millionen Toten und bitteren Folgen, zu denen ich auch unsere Ausreise zähle, war! 
Ich bin überzeugt dass ohne diesen zweiten Weltkrieg unser Platz noch da wäre, wo wir immerhin 800 Jahre gelebt haben. Lasst uns also als Mahnung an unsere Kindeskinder, als klares „Nein“ an die Fürsprecher des Vergessens aber auch als mutigen, erhobenen Fingerzeig an die „ewig Gestrigen“ unsere Stimme erheben, jedoch die Hand in alle Richtungen zur Versöhnung reichen. 

Für unsere Nachkommen, 

Regina Roth, Kleinprobstdorf / heute Schwabach 

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